Waldenburg · Halle · Neuruppin · Dresden

Sigrid H.-Artes

Sie kam über das Töpferhandwerk zur Keramik und studierte anschließend Bildhauerei. Die Zeichnung blieb ihr Werkzeug: Auf den Fayencen folgt sie Gefäßen, Figuren und Tieren um jede Rundung.

Sigrid H.-Artes blickt über die Schulter zur Kamera; hinter ihr stehen Keramikgefäße, Werkzeuge und Pinsel auf einem Arbeitstisch.
Sigrid H.-Artes sitzt am Arbeitstisch und hält eine grüne Brille in beiden Händen.
Sigrid H.-Artes sitzt lachend in einem rot-schwarz gestreiften Oberteil an einem Holztisch.

Erst die Töpferlehre, dann die Burg

Sigrid H.-Artes wurde am 9. April 1953 in Melkers in Thüringen geboren und wuchs in Dresden auf. Ihre Mutter war die Malerin, Grafikerin und Restauratorin Sigrid Artes. Der gemeinsame Kurzname sorgt bis heute dafür, dass Lebensdaten und Werke der beiden Frauen verwechselt werden.

Nach dem Abitur begann sie 1971 eine Töpferlehre in Waldenburg. Ein Brief vom 16. Oktober 1971 belegt ihren Aufenthalt dort; insgesamt liegen vier ihrer Briefe im Nachlass des Dresdner Malers Bernhard Stübner.

Von 1972 bis 1977 studierte sie Keramik an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein, und schloss mit dem Diplom ab. Nach ihrer biografischen Dokumentation folgte bis 1979 ein Zusatzstudium der Bildhauerei bei Gerhard Lichtenfeld.

Wir bauten lebensgroße Figuren auf
Sigrid H.-Artes, im Gespräch mit Philine Schlick

Die großen Figuren aus dieser Studienzeit verschwanden später nicht einfach. Man findet sie verkleinert wieder: als Kopf, Tierkörper, Deckelfigur oder Henkel, der zugleich Schmuck und tragender Teil des Gefäßes ist.

Zwölf Jahre in Neuruppin

1979 machte sich Sigrid H.-Artes selbstständig. Gemeinsam mit Karl Fulle und Ursula Zänker richtete sie in Neuruppin eine Werkstatt ein. Sie teilten Öfen, Räume und den Arbeitsalltag, stellten aber auch gemeinsam aus. Kataloge von 1984, 1985 und 1988 sowie Christiane Keischs Heft Keramikwerkstatt Neuruppin von 1991 dokumentieren diese Jahre.

Zurück in Dresden

1991 zog sie nach Dresden. Ihre archivierte Biografie nennt mehrere Restaurierungs- und Rekonstruktionsarbeiten, an denen sie beteiligt war. Projektakten liegen bislang nicht vor, deshalb macht diese Website daraus weder gesicherte Einzelaufträge noch Leitungsfunktionen.

Später rückte die eigene Fayence wieder in den Mittelpunkt. 2025 besuchte MDR Kultur ihre Werkstatt in der Johannstadt. Im selben Jahr erwarb der Förderverein des Ofen- und Keramikmuseums Velten und des Hedwig-Bollhagen-Museums eine kugelförmige Deckeldose.

Wenn ein Gefäß zur Figur wird

Das Werk reicht von Tellern und Vasen bis zu Kannen, Dosen, Leuchtern und frei stehenden Figuren. Frauen, Vögel, Fische, Pflanzen und Früchte erscheinen nicht auf einer beliebigen Fläche. Die Malerei folgt der Wölbung, fasst den Rand oder verschwindet hinter einem Gefäßkörper.

Manche Einfälle entstehen schon beim Bauen: Ein Schwanenhals wird zum Ausguss, zwei Vögel übernehmen die Henkel, eine Frau sitzt auf dem Deckel. Der Witz liegt in der Form und braucht keine zusätzliche Pointe.

Gemalt wird auf die trockene, noch ungebrannte Glasur. Sie nimmt den Pinselstrich sofort auf, sodass sich Linien nur schwer korrigieren lassen. Im zweiten Brand schmilzt die Glasur und bindet die Farben ein.

Stationen

  1. Geburt in Melkers, Thüringen
  2. Töpferlehre in Waldenburg
  3. Keramikstudium an der Burg Giebichenstein, Diplom
  4. Zusatzstudium Bildhauerei laut biografischer Dokumentation
  5. freischaffend und Teil der Neuruppiner Gemeinschaftswerkstatt
  6. Umzug nach Dresden
  7. Bildband Sigrid H. Artes – Keramik
  8. Fachbeitrag in Neue Keramik
  9. MDR-Kulturporträt und Museumsankauf in Velten